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MyoStart. Gesunde Mundfunktion von Anfang an.

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Im ersten Lebensjahr lernt ein Baby unglaublich viel – auch mit seinem Mund. Saugen, Schlucken und Atmen müssen gut zusammenspielen, damit Trinken sicher und angenehm gelingt. Diese Fähigkeiten beginnen schon vor der Geburt und entwickeln sich nach der Geburt durch Nähe, Stillen oder Füttern, Bewegung, Berührung und tägliche Erfahrungen weiter. Anfangs laufen viele Bewegungen automatisch ab. Mit der Zeit lernt das Baby immer besser, Lippen, Zunge, Kiefer und Atmung gezielter zu steuern.
Dabei arbeitet der Mund nie allein: Kopf, Körperhaltung und Atmung gehören eng zusammen. Wenn ein Baby Stabilität im Körper findet, kann auch der Mund koordinierter arbeiten. Ein sanfter Lippenschluss, eine bewegliche Zunge, ruhige Nasenatmung und passende Kieferbewegungen bereiten den Weg für sicheres Trinken, erste Löffelerfahrungen, späteres Kauen und die Sprachentwicklung. Für Eltern ist wichtig zu wissen: Jede liebevolle Begleitung, jede ruhige Mahlzeit, jede Bauchlage und jede gemeinsame Interaktion unterstützt das Kind Schritt für Schritt auf diesem Weg. Kleine Alltagserfahrungen können Grosses bewirken.



Besondere Aufmerksamkeit ist sinnvoll, wenn bei einem Säugling eines oder mehrere der folgenden Zeichen auffallen:

          - Der Mund ist häufig oder dauerhaft offen.
          - Die Zunge liegt in Ruhe eher unten im Mund statt am Gaumen.
          - Das Baby atmet oft durch den Mund.
          - Der Unterkiefer wirkt deutlich zurückliegend.
          - Beim Saugen sind Klickgeräusche zu hören.
          - Beim Stillen läuft häufig Milch aus dem Mund, oder das Baby verschluckt sich oft.
          - Das Baby beisst beim Stillen in die Brust.
          - Das Baby ist beim Trinken oder im Alltag sehr unruhig.
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Wenn das Kind etwas grösser ist und etwa ab dem sechsten Monat Beikost eingeführt wird, können zusätzlich folgende Zeichen auffallen:

          - Das Kind würgt häufig beim Essen.
          - Es stösst häufig auf.
          - Die Zunge wird immer wieder nach vorne geschoben.
          - Das Kind zeigt ein sehr wählerisches Essverhalten.
          - Essen kommt wieder hoch oder gelangt beim Würgen in die Nase.
          - Das Schlucken fällt schwer.
          - Essensreste bleiben häufig in den Wangentaschen liegen.
          - Der Mund ist in Ruhe oft offen.
          - Das Kind atmet häufig durch den Mund.
          - Die Zunge liegt in Ruhe zwischen den Lippen.
          - Der Schlaf ist unruhig, oder das Kind nimmt auffällige Schlafpositionen ein.

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Bild: Kiefer beim Erwachsenen links, Kiefer beim Neugeborenen rechts. Hier besteht viel Wachstumspotential 
Warum ist das wichtig? Je früher Einschränkungen der Mundfunktion erkannt und begleitet werden, desto einfacher können sie unterstützt werden. In den ersten Lebensjahren werden wichtige Grundlagen für Kauen, Sprechen, Atmen und die weitere Entwicklung gelegt. Der Kiefer wächst und formt sich in dieser Zeit stark. Eine gute Mundfunktion kann dazu beitragen, dass später genügend Platz für die Zähne entsteht. Auch die Atemwege entwickeln sich noch. Deshalb ist es wichtig, dass ein Kind möglichst gut durch die Nase atmen kann und die Zunge in Ruhe am Gaumen liegt. Beides kann die Entwicklung von Kiefer, Gaumen und Atemwegen positiv unterstützen. Wenn die Nasenatmung gut funktioniert, wird die eingeatmete Luft gereinigt, erwärmt und befeuchtet. Das entlastet die Atemwege und schützt vor Infektionen, zum Beispiel in den Ohren. Zudem unterstützt ein geschlossener Mund die Mundgesundheit. Wenn Mund, Zunge, Kiefer und Atmung nicht gut zusammenspielen, kann das für den Körper anstrengend sein – besonders im Schlaf, wenn sich die Muskulatur entspannt. Manche Kinder schlafen dann unruhig, nehmen ungewöhnliche Schlafpositionen ein, knirschen mit den Zähnen oder wachen häufiger auf. Ein solcher Schlaf ist oft weniger erholsam. Am Tag kann sich das zum Beispiel durch Müdigkeit, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder einen starken Bewegungsdrang zeigen. Deshalb ist es sinnvoll, auffällige Zeichen früh ernst zu nehmen und bei Bedarf fachlich abklären zu lassen.
Ich betrachte jedes Kind ganzheitlich und systemisch. Das bedeutet: Ich vermeide absolute Aussagen und denke nicht in einfachen Ursache-Wirkungs-Ketten. In der Humanmedizin gibt es selten nur A oder B, sondern viele Zwischentöne. Deshalb schaue ich nicht nur auf ein einzelnes Symptom, sondern auf das Zusammenspiel verschiedener Systeme im Körper.
Dabei orientiere ich mich an einem bio-psycho-neuro-endokrinologischen Verständnis. Vereinfacht gesagt: Körper, Nervensystem, Hormone, Entwicklung, Verhalten und Umfeld beeinflussen sich gegenseitig. In der Beurteilung eines Kindes achte ich deshalb auf Zeichen des Gleichgewichts – oder auch des Ungleichgewichts – dieser Systeme.
Gesundheit und Funktion verstehe ich nicht als etwas Starres. Ein Mensch bewegt sich vielmehr auf einem Kontinuum zwischen optimaler Funktion und eingeschränkter Funktion. Gerade bei Kindern ist vieles noch in Entwicklung. Das ist eine grosse Chance, weil Wachstum und Veränderung noch möglich sind.
Ein Beispiel dafür ist der Kiefer. Beim Erwachsenen sind viele Strukturen bereits weitgehend gefestigt. Beim Neugeborenen hingegen ist das Kiefergelenk noch nicht fixiert, und es besteht über mehrere Jahre hinweg ein grosses Wachstumspotenzial. Diese Zeit ist besonders wertvoll, um präventiv zu arbeiten und das Kieferwachstum möglichst gut zu unterstützen.
In der Begleitung von Säuglingen und kleinen Kindern geht es mir nicht in erster Linie darum, dass ein Kind zunimmt. Natürlich ist Gewichtsentwicklung wichtig. Aber Milch in ein Kind zu bringen, ist meistens nicht die grösste Schwierigkeit. Entscheidend ist für mich, wie die Milch in das Kind gelangt.
Mir ist wichtig, dass die natürlichen Ressourcen und Fähigkeiten des Kindes genutzt werden. Die Natur hat dem Kind ein Programm mitgegeben, um Nahrung aufzunehmen: am Anfang über Reflexe, später über die Integration dieser Reflexe und über zunehmend bewusste Bewegungsmuster. Mein Ziel ist es, das Kind darin zu unterstützen, diesen Weg möglichst gut gehen zu können.
Wenn ein Säugling eine suboptimale oder eingeschränkte orale Funktion zeigt, braucht es häufig einen interdisziplinären Ansatz. Das bedeutet, dass verschiedene Fachpersonen gemeinsam auf das Kind schauen. In einem Assessment beobachte ich, wo Schwierigkeiten sichtbar sind: Wie saugt das Kind? Wie arbeiten Muskulatur und Struktur zusammen? Welche Hinweise gibt es auf mögliche Ursachen?
Manchmal braucht es Zeit und verschiedene therapeutische Ansätze, bis das grundlegende Problem überhaupt erkennbar wird. Je nach Situation können beispielsweise Osteopathie, Kinderärztinnen und Kinderärzte, Kinderzahnmedizin, Physiotherapie, Stillberatung, Logopädie oder myofunktionelle Therapie beteiligt sein.
Meistens handelt es sich nicht um eine schnelle Korrektur, sondern um eine längere Begleitung. Denn wenn sich Form durch veränderte Funktion entwickeln soll, braucht das Zeit. Es braucht Ausdauer, Verständnis und Motivation der Eltern – und eine Zusammenarbeit der Fachpersonen in dieselbe Richtung.
Genauso wichtig ist, dass Eltern verstehen, warum wir diesen Weg gehen. Viele Vorstellungen rund um Mund, Atmung, Stillen, Saugen oder Kieferentwicklung sind kulturell und familiär geprägt. Orale Dysfunktionen können sich über Generationen zeigen und werden deshalb in einer Familie manchmal als «normal» wahrgenommen, weil man es nicht anders kennt.
Solche Prägungen und Dogmen können sehr hartnäckig sein – im familiären Umfeld ebenso wie in der Gesellschaft. Sätze wie «Jedes Kind hat doch manchmal den Mund offen, das ist normal» zeigen, wie stark solche Narrative sein können. Mir ist es ein grosses Anliegen, dieses Bewusstsein zu verändern und Eltern mit kleinen Kindern frühzeitig zu begleiten.
Mein Ziel ist es, von Anfang an die bestmögliche Funktion für jedes Kind zu unterstützen. Dafür habe ich mich intensiv weitergebildet und das Konzept MyoStart aufgebaut. Dabei ist mir wichtig, so evidenzbasiert wie möglich zu arbeiten und gleichzeitig jedes Kind individuell, respektvoll und in seinem gesamten Umfeld zu betrachten.

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